Güde September 2016 Text: Franziska Klün Fotos: Mirka Pflüger

Die Wellenschleifer

Gute Messer aus einem Stück Stahl zu schmieden und aufwändig zu schleifen, erfordert viele Handgriffe. Warum es sich trotzdem lohnt, leuchtet beim Besuch der Firma Güde in Solingen ein.

 

Zweieinhalb Tonnen schwer ist der Fallhammer, der auf das glühende Stück Stahl kracht und es in eine erste Form bringt. Ohrenbetäubend ist der Lärm, der dabei entsteht. Besuchern werden kleine gelbe Ohrstöpsel angeboten, der Schmied selbst trägt professionelle Ohrenschützer und Schutzbrille. Allein ihm zuzusehen, strengt an. Es sind brachiale Kräfte, die sich mit höllischen Hitzeangriffen abwechseln, wenn die zwölf Millimeter dicken Stahlrohlinge in vielen Einzelschritten in die formschönen, scharfen Messer verwandelt werden, für die das Solinger Traditionsunternehmen Güde berühmt ist.




 



Güde-Inhaber Karl-Peter Born ist die Geräuschkulisse gewohnt. Es bereitet ihm sichtlich Freude, Neugierige durch die beeindruckenden Hallen zu führen. Mitarbeiter bedienen, Kippe qualmend, mit geübten Handgriffen die teils 100 Jahre alten Maschinen. Es ist eine eingespielte Gemeinschaft, die ihr Handwerk beherrscht und stolz ist auf das, was sie hier kann und macht, jeden Tag, von 7 Uhr morgens bis 15.45 Uhr am Nachmittag.
“Ein Messer ist das erste Werkzeug der Menschheit”, sagt Karl-Peter Born. Bedenkt man die Schneidfähigkeit des Faustkeils, ist da durchaus was dran. “Das Messer brauchte man zum Überleben!” weiß er.

 


Diese Messer (und weitere) von Güde könnt ihr bei uns im Shop bestellen:

 
https://nomopol.de/media/image/ab/1b/2b/Nomopol_No_3_Guede_Karl_Guede_Kochmesser_21_FRONT_200x200@2x.jpg 2x
Karl Güde Kochmesser
 
109,00 € *
 
https://nomopol.de/media/image/a4/05/4c/Nomopol_No_9_Guede_Alpha_Brotmesser_21_FRONT_200x200@2x.jpg 2x
Alpha Brotmesser
 
89,00 € *
 



Nur ein geschmiedetes Messer transportiert für ihn diesen ursprünglichen Werkzeug-Charakter. “Unsere Messer bestehen aus einem einzigen Stück Stahl – der Griff ist schwerer als üblich, die Balance anders und dadurch auch das Gefühl, das entsteht, wenn man sie in der Hand hält”.



Nur noch wenige Unternehmen setzen wie Güde komplett auf die Schmiedekunst und fertigen nach traditioneller Methode. Zum Schmieden, Härten und Anlassen wird der Stahl im Laufe der Produktion mehrmals erhitzt, auf Temperaturen bis zu 1.050 Grad Celsius. Nach dem Härten wird er tiefgefroren, um Stahlgefüge und Rostbeständigkeit zu verbessern. Das ist aufwändig, zeitintensiv und kostspielig. “Viele moderne Betriebe schmieden höchstens noch einen Teil ihrer Messer, die Verdickung zum Beispiel, oder den Kropf. Der Großteil aber ist aus gestanztem Blech”, erklärt Born. Bei Güde hingegen wird jede Klinge um die fünfzig Mal in die Hand genommen, zunächst in der Gesenkschmiede, später in der Schleifwerkstatt, bevor sie qualitätsgeprüft und feingeschliffen in den Verpackungen verschwindet.

Auch wenn das Schmieden komplizierte, harte Arbeit ist – eine andere Form der Herstellung kam für Born nie in Frage. In dem Familienbetrieb werden die Messer schließlich seit drei Generationen schon genau so gefertigt. Zunächst von Karl Güde, der das Unternehmen 1910 an dem Ort gründete, wo es noch heute beheimatet ist. “Damals war das hier alles Brachland, es gab Wiesen und Felder”, berichtet Karl-Peter Born, dessen Urgroßvater Karl Güde war. Heute liegt der Betrieb inmitten eines beschaulichen Wohngebiets mit gepflegten Vorgärten unweit des Solinger Zentrums. 1923 übernahm dann Karl Güdes Sohn Franz die Unternehmensleitung. Der erfand Ende der 30er Jahre den Güde-Wellenschliff, einen speziellen Schliff mit den spitzen Zähnen, der uns allen heute das Brotschneiden erleichtert und für den das Unternehmen noch immer bekannt ist.






 



Die Schliffart war neu und bahnbrechend, also ließ Franz Güde sie 1941 als Geschmacksmuster eintragen. “Doch es war Krieg und ein Geschmacksmuster war nur zehn Jahre lang gültig”, sagt Karl-Peter Born. “Bis die Wirtschaft nach Kriegsende wieder in den Tritt kam, war das Geschmacksmuster abgelaufen”. Born zuckt mit den Schultern, gibt sich pragmatisch: “Ja, schade, aber so ist’s halt.” Dennoch gehören die exzellent schneidenden Brotmesser gemeinsam mit den Universalmessern noch immer zu den beliebtesten Produkten des Unternehmens.





 



Was genau für ihn die Qualität eines Messers ausmache? “Die Möglichkeit, es weiterzuvererben”, sagt Born. Denn darum geht es auch an diesem Standort Solingen, der weltberühmten Klingenstadt, wo die wenigen Messerunternehmen, die hier heute noch existieren, oft lange in Familienbesitz sind. Die Messer, die hier gemacht werden, sollen halten. Born schätzt den besonders fairen Wettbewerb, der in Solingen herrscht. “Güde hat keine Konkurrenz – nur Marktbegleiter.“ Das Geheimnis liege schließlich in der Expertise, den Handgriffen, dem Detail. Born sagt: “Und das ist nun wirklich nicht kopierbar”. Manch ein Messerhersteller fände Möglichkeiten, die Produktionsprozesse des Messers zu vereinfachen – zu Lasten der Qualität und Langlebigkeit. Andere reiten dazu hektisch jede Welle, um ihre Produkte interessant zu halten. Bei Güde schleift man lieber geduldig die Wellen, in dem Wissen, immer die richtigen Produkte anbieten zu können. Und überdauert damit erfolgreich jeden Trend.